Dashed

D-A-S-H-E-D
SPATIAL MEMORY – RÄUMLICHES GEDÄCHTNIS
Medien-Installation von Annja Krautgasser 2004

Die vorliegende Arbeit zeigt eine raumsoziologische Studie zum Thema
Gedächtnisraum. 13 subjektive Raumerinnerungen bzw. Raumwahrnehmungen
werden in Form von Interviews dokumentiert und kartografisch
relokalisiert.

13 RÄUME
01 / Hohlraum an der Wollzeile / 1010 Wien > Paul Petritsch
02 / Schwedenplatz / 1010 Wien> Axel Fussi
03 / Festsaal – Akad. Gymnasium / Beethovenplatz 1 / 1010 Wien > Rainer Mandl
04 / Hotel Modul / Peter Jordan-Strasse 78 / 1190 Wien > Nikola Winkler
05 / Kanalisation / Pilgramgasse / 1040 Wien > Norbert Pfaffenbichler
06 / 20er Haus / Schweizergarten / 1020 Wien > Lisa Holzer
07 / Heldenplatz / 1010 Wien > Marc Ries
08 / Kleines Cafe / Kirchengasse / 1070 Wien > Jeanette Pacher
09 / Fabrikshalle / 1160 Wien > Timo Novotny
10 / Glas-Cafe / Europaplatz 1 / 1150 Wien > Dariusz Krzeczek
11 / Südbahnhof / Wiedner Gürtel 1 / 1100 Wien > Margit Brünner
12 / Stadtbibliothek / Urban-Loritz-Platz 2a / 1070 Wien > Burgi Weiss
13 / American Bar / Kärntner Strasse 10 / 1010 Wien > Dijana Arapovic

Mental Maps / Landschaften im Kopf
„Landschaften im Kopf kann man nicht vermessen, jedenfalls nicht mit den Methoden der Astronomie oder Trigonometrie. Sie sind deshalb
nicht weniger genau und nicht weniger wirklich. Sie bestehen aus einem anderen Material, aus Bildern, Erinnerungen, Gerüchen, aber sind deswegen nicht weniger eindrücklich. Sie haben sich so sehr eingeprägt, dass ihnen nicht einmal die Zeit, der sonst alles zum Opfer fällt, etwas anhaben kann. Solche Bilder können zeitweilig, vielleicht sogar für lange in den Hintergrund treten. Aber plötzlich, in einem Moment des Schocks, können sie wieder da sein, frisch wie am ersten Tag. Sie sind nirgendwo gedruckt, man kann sie nicht schwarz auf weiss nachlesen, aber sie haben sich eingeprägt und sind bei dem, den sie angehen, ‘unauslöschlich’. Wer an diesen Landschften im Kopf herankommen
will, muss Menschen zum sprechen bringen, ihren Erzählungen zuhören. (Doch im Grunde erweisst sich ihre Wirkung, überhaupt
ihr Vorhandensein im schweigenden Vollzug.) Sie sind da, wie selbstverständlich,
sie geben sich zu Erkennung erst bei Nachfrage.[…]
Die Karten im Kopf sind gewissermassen die Welt, die jeder mit sich herumträgt, der Speicher und Bildvorrat. Mental MAps sprechen von
vornherein nicht von einem Raum, sondern von vielen Räumen. Die Rede von den Mental MAps impliziert so viele Räume, wie es Sichtweisen,
Wahrnehmungweisen, Erfahrungsweisen gibt. Mental MAps sind im Grunde das Ende der Vorstellung von dem einen Raum, eine
radikale Subjektivierung der Raumvorstellung.“

Karl Schlögel / Im Raume lesen wir die Zeit – Über Zivilisationsgeschichte und Geopolitik. S.243 Carl Hanser Verlag München Wien 2003